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Peptide geraten zunehmend in den Fokus der medizinischen
Forschung, der Diagnostik und Therapie. Viele
Peptide haben Einfluss auf die
Stoffwechselvorgänge in unserem Körper und
sorgen für den reibungslosen Ablauf der
Stoffwechselprozesse.
Peptide – Proteine
Peptide sind Moleküle aus zwei oder
mehr Aminosäuren. Schon der Name „Peptid“ weist
auf die spezielle Art der Verbindung zwischen den
Aminosäuren hin um die es hier geht, die
sogenannte Peptid-Bindung, welche einen festen
Zusammenhalt im Molekül ergibt und auch
eine bestimmte Form oder Faltung mit sich bringt.
Die spezifische Faltung, die sogenannte
Proteinfaltung, bestimmt maßgeblich die
biologische Funktion des Moleküls. Erst so kann
das Peptid bestimmte Effekte im Körper
auslösen.
Normalerweise werden Stoffe, die aus mehreren Aminosäuren
bestehen, Proteine genannt. Proteine bestehen
meist aus mehr
als 100 Aminosäuren (allerdings ist diese
Definition fließend, viele sprechen schon ab 50
Aminosäuren von Proteinen und
es gibt wiederum Andere, die erst ab 190 Aminosäuren von
Proteinen sprechen). Laut heutiger Definition
gelten als Peptid Aminosäureketten, die nicht
mehr als 100 Aminosäuren haben. Andere
plädieren jedoch heute für eine Grenze von 200
Aminosäuren (Makropeptife).
Oligopeptide sind dabei sehr kleine
Zusammenschlüsse von maximal zehn Aminosäuren,
während Polypeptide elf bis etwa 100
Aminosäuren enthalten.
Proteine dagegen sind größere Moleküle mit aufwändigerer
Faltung und besitzen meist auch wesentlich
umfangreichere Funktionen als Peptide. Der Übergang zwischen
Peptid und Protein ist fließend. Oft ist die
Faltung und Wirkung entscheidend, Moleküle mit
geringer Aminosäureanzahl, aber hochkomplexer
Faltung und Wirkung können schon zu den
Proteinen gezählt werden, die
Peptidbindung ist ihnen allerdings gemein.
Glutathion als Beispiel
Bei Bioaktiven Stoffen denkt man meist
an Stoffe, die die Natur uns liefert, um unsere
Gesundheit zu schützen und zu erhalten. Den
meisten Menschen fallen dabei Stoffe wie
Omega-3, Lycopin oder Anthocyane in Früchten
ein. Dass dagegen unser Körper selbst solche
Stoffe produziert, wissen die Wenigsten. Glutathion ist eine
solche körpereigene Substanz. Sie wird von
unserem
Körper als Schutzsubstanz gebildet. Dazu werden in den Zellen drei
Aminosäuren zusammengesetzt: Glutaminsäure, Cystein und Glycin.
Glutathion ist also ein Tripeptid (Tri-“ für
drei).
Peptide sind gegenüber Proteinen Stoffe, die aus weniger Aminosäuren
bestehen – wie z. B. Glutathion (3 Aminosäuren)
oder auch Insulin (51 Aminosäuren). Nicht nur
der Mensch produziert Peptide, sondern auch Pflanzen und
Tiere.
Bildung
Glutathion wird in einem zweistufigen Prozess
aus den Aminosäuren Glutaminsäure, Cystein und
Glycin synthetisiert. Eigentlich sind fast alle
Zellen im Körper in der Lage Glutathion
herzustellen, im wesentlichen wird es jedoch in
der Leber gebildet. Zur Bildung werden neben
Cystein, Glycin und Glutaminsäure auch
Adenosintriphosphat (ATP) und
Magnesiumionen benötigt.
Durch das Enzym
Glutamylcysteinligase (GCL) wird unter
ATP-Verbrauch
aus Glutaminsäure und Cystein zuerst γ-Glutamylcystein
gebildet. Dies etabliert eine
ω-Peptidbindung
zwischen der γ-Carboxygruppe des
Glutaminsäurerestes mit der Aminogruppe des
Cysteinrestes.
Die
Glutathionsynthase
(GSS) addiert dann ebenfalls unter ATP-Verbrauch
Glycin unter Ausbildung einer Peptidbindung an
das terminale Kohlenstoffatom des γ-Glutamylcysteins.
Funktion von Peptiden
Die Funktion der Peptide variiert je nach Organsystem.
Meist dienen sie als
Botenstoffe zur Signalvermittlung zwischen
Zellen und
Geweben. Weiter fungieren Peptide in
einigen Fällen als Enzyme,
sie entfalten antibakterielle oder antifungale Wirkung oder
stabilisieren die
Zellstruktur. Störungen der Peptid-Bildung sind
dagegen verbunden mit
Funktionsstörungen der Systeme und Abläufe im
Körper und können chronische Erkrankungen
und auch die Entwicklung von Tumoren zur Folge
haben.
Einige Peptide
regulieren Stoffwechselvorgänge. Auch
Wachstum und Schmerzempfinden ist an
Peptide gebunden. Die Peptidsubstanzen im Körper sind
hochaktiv und besitzen hochspezifische
Aktivität. Als Calcitonin senken sie etwa in der
Schilddrüse den
Calcium-Spiegel. Als
Endorphine reduzieren sie
Schmerzen. Als Glucagon sind sie am Glukagen-Abbau
in der
Bauchspeicheldrüse beteiligt.
Aber selbst Gifte sind Peptide. So ist etwa
das Gift der Brasilianischen Wanderspinne ein
Peptid.
Defensine
Defensine sind antimikrobielle Peptide,
die aus etwa 30 bis 50 Aminosäuren
bestehen. Defensine weisen im Molekül
mehrere Disulfidbrücken
auf, die für ihre räumliche Struktur
essentiell sind, gemeinsam sind ihnen 3
Disulfidbrücken zwischen verschiedenen
Cysteinresten, deren intramolekulare
Position eine Unterscheidung in α- und
β-Defensine ermöglicht. Bei Defensinen
handelt es sich um die wichtigsten
endogenen Antibiotika des Organismus,
die auch chemotaktisch wirksam sind und
ein breites, von gramnegativen und
grampositiven Bakterien bis zu Viren und
Protozoen und Candidapilzen reichendes
antibiotisches Wirkspektrum haben.
Die Wirkungsweise der Defensine ist
noch nicht ausreichend geklärt. Bekannt
ist, dass Defensine viele kationische
und hydrophobe Aminosäurereste tragen.
Es wird angenommen, dass
diese kationischen und hydrophoben Aminosäurereste
mit der negativen Ladung der
Erregermembran interagieren. Die erhöhte
Durchlässigkeit erlaubt es dann weiteren Defensinmolekülen in das Periplasma
zu
gelangen. Nach Durchdringen der Membran
interagieren sie mit anionischen
Molekülen innerhalb der Erregerzelle,
etwa der DNA und RNA. In höheren
Konzentrationen wirken Defensine jedoch
auch zytotoxisch auf die Wirtszellen.
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